Historische Altstadt von Regensburg an der Donau

Apothekensterben in Bayern: Woher der Rückgang kommt

Das Apothekensterben in Bayern hat eine lange Vorgeschichte, und sie beginnt lange vor den Schlagzeilen von 2026. Nachdem du im ersten Beitrag den Zusammenschluss in Bamberg und Hirschaid kennengelernt hast, geht es jetzt um die Frage, woher der Rückgang kommt, welche Regionen er besonders trifft und warum so viele Betriebe keine Nachfolge finden.

Auf einen Blick

  • 2005 gab es in Bayern mehr als 3400 Apotheken, Ende Juni 2026 noch 2603.
  • Die Oberpfalz und Oberfranken haben mit je 231 die wenigsten Apotheken unter den Regierungsbezirken.
  • Häufige Ursachen laut Kammer und ABDA: fehlende Nachfolge, Bürokratie, ein seit 2013 unverändertes Festhonorar und gestiegene Kosten.
  • Mehrere Gemeinden, etwa Kallmünz und Schmidmühlen, haben keine Apotheke mehr.

Wie hat sich die Zahl der Apotheken in Bayern entwickelt?

Die Zahlen reichen weit zurück. Laut einem Bericht von leinetal24 vom 2. Februar 2026, der sich auf die Bayerische Landesapothekerkammer stützt, gab es 2005 noch mehr als 3400 Apotheken im Freistaat, 2015 rund 3200. Im Jahr 2021 fiel die Zahl erstmals unter 3000. Der Bayerische Apothekerverband zählte Ende 2016 genau 3205 Apotheken und Ende 2025 noch 2617. Die Kammer nannte für 2025 geringfügig abweichend 2616. Solche Unterschiede entstehen durch Stichtage und Zählweise.

Besonders schnell ging es in den vergangenen Jahren. Im Gesamtjahr 2022 schlossen in Bayern laut einer dpa-Meldung in der Abendzeitung 89 Apotheken, nur fünf eröffneten neu. In der ersten Hälfte 2023 waren es 51 Schließungen bei vier Neueröffnungen, Ende Juni 2023 zählte man 2835 Betriebe. Im Jahr 2025 schlossen 92 Apotheken, zwölf kamen hinzu, netto ein Minus von 80. Hans-Peter Hubmann vom Apothekerverband sagte im März 2026: „Bayern hat in den vergangenen zehn Jahren über 500 Apotheken verloren.“

Im Jahr 2026 verlangsamt sich der Rückgang etwas. Laut Pharmazeutischer Zeitung gab es im ersten Quartal in Bayern neun Schließungen und drei Neueröffnungen, im zweiten Quartal neun Schließungen und eine Neueröffnung. Am 30. Juni 2026 waren es noch 2603 Apotheken.

Welche Regionen sind besonders betroffen?

Die Apotheken sind im Freistaat sehr ungleich verteilt. Nach den Daten, die leinetal24 aus Kammerangaben wiedergibt, liegen Oberbayern mit 900 Apotheken und Mittelfranken mit 368 vorn. Dahinter folgen Schwaben mit 334, Unterfranken mit 288 und Niederbayern mit 265. Die Oberpfalz und Oberfranken bilden mit je 231 das Schlusslicht. Oberbayern stellt damit mehr als ein Drittel aller bayerischen Apotheken.

Ein Teil der Erklärung liegt in der Siedlungsstruktur: Wo weniger Menschen leben, tragen sich weniger Betriebe. Das macht jede einzelne Schließung in ländlichen Regionen gewichtiger als in einer Großstadt, wo es meist Alternativen um die Ecke gibt.

Was passiert, wenn die letzte Apotheke im Ort schließt?

Wie sich das anfühlt, schilderten Bürgermeister beim Bayerischen Apothekertag am 9. Mai 2025 in Regensburg, über den die Pharmazeutische Zeitung berichtete.

  • In Schmidmühlen im Landkreis Amberg-Sulzbach schloss die letzte Apotheke 2023. Bürgermeister Peter Braun überraschte, wie wenig Klagen es aus der Bevölkerung gab.
  • In Kirchahorn (Gemeinde Ahorntal, Landkreis Bayreuth) schloss 2023 ebenfalls die Apotheke, ein Nachfolger fand sich nicht. Bürgermeister Florian Questel nennt das einen starken Einschnitt, der auch die Nachbarläden traf.
  • In Kallmünz im Landkreis Regensburg gibt es seit Anfang 2025 keine Apotheke mehr. Bürgermeister Martin Schmid berichtet von Verunsicherung, ein runder Tisch mit Ärzten und Zahnärzten suchte nach kurzfristigen Lösungen. Sein Ziel ist, wieder eine Apotheke vor Ort zu haben. Zudem entstehen Leerstände im Ortskern.

Der Arzt Christian Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, ergänzte, dass Ärzte und Apotheke einander bedingen. Auch Praxen finden häufig keine Nachfolge, und junge Ärztinnen und Ärzte aufs Land zu holen, sei schwierig.

Warum finden so viele Betriebe keine Nachfolge?

Die Gründe wiederholen sich in den Quellen. Eine Sprecherin der Landesapothekerkammer sagte schon 2023 gegenüber der dpa, häufig werde kein Nachfolger gefunden, der die Apotheke übernimmt. Als Ursachen für den fehlenden Nachwuchs nannte sie überbordende Bürokratie und zu geringe Vergütung.

Hinzu kommt die Kostenseite. Das Festhonorar für die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel wurde laut den Berichten seit 2013 nicht angehoben. ABDA-Präsident Thomas Preis sagte, seitdem seien die Kosten in den Apotheken um 65 Prozent gestiegen. Der Bayerische Apothekerverband weist zudem darauf hin, dass nur wirtschaftlich starke Apotheken zusätzliche Leistungen wie Impfungen oder pharmazeutische Dienstleistungen anbieten können. Wer allein an der Offizin steht, hat dafür oft weder Zeit noch Personal.

Hier liegt die Verbindung zum Filialverbund in Hirschaid: Wo eine Nachfolge fehlt, kann ein größerer Betrieb Standorte sichern. Die Zahlen zeigen aber, dass das nicht überall gelingt.

Was kannst du aus dieser Entwicklung mitnehmen?

Die Lage ist regional sehr unterschiedlich. Auf der Karte der Apotheken in Bayern siehst du, welche Standorte in deiner Nähe liegen. Für den Raum Oberpfalz gibt es eine eigene Übersicht zu Apotheken in Regensburg, für Oberfranken kannst du dir die Seite zu Apotheken in Bayreuth ansehen.

Der nächste Beitrag richtet den Blick nach vorn: Was bringt die Apothekenreform, und was bedeutet sie für die Versorgung in Bayern?

Quellen und weiterführende Links