Stadtansicht von München, der bayerischen Landeshauptstadt

Apotheken in Bayern: Ausblick auf Reform und Versorgung

Die Zukunft der Apotheken in Bayern hängt 2026 an einer Reform, die gerade erst anläuft. Nach dem Filialverbund in Hirschaid und dem Blick auf die Hintergründe des Rückgangs geht es jetzt um das, was kommt: Was ändert sich für dich in der Apotheke, was fordert die Landespolitik, und was kannst du selbst für die Versorgung vor Ort tun?

Auf einen Blick

  • Der Bundestag beschloss das Apothekenreformgesetz (ApoVWG) am 22. Mai 2026, der Verordnungsteil wurde im Juli vom Bundesrat gebilligt.
  • Geplant sind unter anderem Impfungen mit allen Totimpfstoffen, neue pharmazeutische Dienstleistungen und ein höheres Fixum (9 Euro im Juli, 9,50 Euro zum Jahreswechsel).
  • Für Zweigapotheken auf dem Land werden die Anforderungen gelockert.
  • Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach nennt die Reform einen ersten Schritt und fordert weniger Bürokratie.

Was steht in der Apothekenreform?

Laut Pharmazeutischer Zeitung beschloss der Bundestag das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz am 22. Mai 2026. Es ist im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig. Nach Angaben der Zeitung vom 28. Mai sollen Apotheken künftig alle Totimpfstoffe verabreichen dürfen. Unter bestimmten Bedingungen dürfen verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept abgegeben werden, und es sind neue pharmazeutische Dienstleistungen geplant. Das Fixum soll im Juli auf 9 Euro und zum Jahreswechsel auf 9,50 Euro steigen. Strengere Regeln für den Versandhandel sollen über die Apothekenbetriebsordnung folgen.

Genau diesen Verordnungsteil billigte der Bundesrat am 10. Juli 2026. Die Pharmazeutische Zeitung nennt als Inhalte flexiblere Öffnungszeiten, vereinfachte Vorgaben für Labor und Rezeptur, eine Pflicht zur Sicherung der Arzneimittelqualität bei Versand und Botendienst sowie wieder erlaubte Skonti auf verschreibungspflichtige Arzneimittel, sofern sie handelsüblich sind. Für die verhandelte Vergütung wurde eine Untergrenze von 3 Prozent gesetzt. Laut einem Hinweis auf der Seite wurde die Verordnung am 21. September 2026 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und tritt größtenteils am Folgetag in Kraft.

Zweigapotheken auf dem Land

Für Bayern besonders interessant: Die Anforderungen an Zweigapotheken auf dem Land werden gelockert. Das betrifft genau die Gemeinden, über die du im zweiten Teil gelesen hast, etwa Orte, in denen die letzte Apotheke geschlossen hat. Ob und wo solche Zweigapotheken tatsächlich entstehen, lässt sich heute noch nicht sagen. Das hängt von Inhaberinnen und Inhabern ab, die den Schritt wirtschaftlich wagen.

Was fordert die bayerische Politik?

Zum Tag der Apotheke am 7. Juni 2026 drängte Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) auf eine zügige Umsetzung. Die Reform sei wichtig, aber nur der erste Schritt. Gerlach verlangt weniger Bürokratie, eine Anpassung der Vergütung, ein modernisiertes Pharmaziestudium und mehr Kompetenzen für Apothekerinnen und Apotheker in Abstimmung mit anderen Heilberufen. Auch Digitalisierung und künstliche Intelligenz könnten nach ihrer Einschätzung zur Versorgung beitragen. Für ein Flächenland wie Bayern seien die Apotheken vor Ort besonders wichtig: "Unsere Apotheken sind ein wesentlicher Teil der staatlichen Daseinsvorsorge."

Sie warnt außerdem, dass das Apothekensterben den Nachwuchs beeinflusst. Wer Pharmazie studiert, soll sich nicht fragen müssen, ob der Beruf in der örtlichen Apotheke eine Zukunft hat.

Reicht das, um die Versorgung in der Fläche zu sichern?

Die Branche ist vorsichtig optimistisch. Hans-Peter Hubmann vom Bayerischen Apothekerverband sagte im Juli, man sei auf einem guten Weg. Gleichzeitig zeigt eine von der ABDA beauftragte Studie, wie groß die Aufgabe bleibt. Nach Berichten des Nordkurier vom 14. Juni 2026 gab es am 31. März 2026 bundesweit noch 16.541 Apotheken, rund 20 Prozent weniger als vor 13 Jahren. Mehr als vier Millionen Menschen müssen weiter als sechs Kilometer zur nächsten Apotheke fahren, in Bayern sind es knapp 900.000, die höchste absolute Zahl aller Länder.

Hubmann fordert deshalb, die Vergütung "endlich und dauerhaft" an die allgemeine Wirtschaftsentwicklung zu koppeln. Das zeigt: Die Reform ist ein Anfang, aber noch nicht das Ende der Debatte. Für die Region heißt das, dass die Zahl der Apotheken kurzfristig kaum steigen wird. Im ersten Halbjahr 2026 standen in Bayern 18 Schließungen und nur vier Neueröffnungen zu Buche (neun und drei im ersten, neun und eine im zweiten Quartal).

Was kannst du selbst tun?

Du hast mehr Einfluss, als du denkst. Eine Apotheke bleibt dort, wo sie genutzt wird und wo Menschen ihr Angebot kennen.

  • Informiere dich über die Apotheken in Bayern auf der Karte, damit du weißt, welche Standorte in deiner Nähe liegen.
  • Frag in deiner Stammapotheke nach, welche neuen Leistungen wie Impfungen oder Dienstleistungen sie anbietet oder plant. Viele Regelungen starten erst jetzt.
  • Löse Rezepte und Bestellungen bei einer Apotheke vor Ort ein, wenn du die Wahl hast, und plane Wege im Voraus, besonders wenn du auf dem Land wohnst.
  • Wohnst du in der Landeshauptstadt, findest du die Übersicht zu Apotheken in München, im Raum Oberfranken die zu Apotheken in Bamberg.

Weitere Standorte im ganzen Land findest du im Apothekenverzeichnis von ApoGuru.

Was bleibt offen?

Ob die Reform die Trendwende bringt, zeigen erst die Quartalszahlen der nächsten Monate. Entscheidend ist, ob sich die Standorte wieder rechnen und ob Nachfolgerinnen und Nachfolger bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Ob der Filialverbund aus dem ersten Beitrag ein Vorbild für andere Orte wird, ist offen, aber er zeigt, dass Betriebe nach eigenen Wegen suchen.

Quellen und weiterführende Links

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